Kurzprofil im Lebenslauf: Aufbau, Länge und Beispiele
Das Kurzprofil ist der kurze Absatz ganz oben im Lebenslauf, unter deinem Namen und der Überschrift. Manche nennen es Profil, andere Zusammenfassung. Es ist der erste richtige Text, den eine Recruiterin liest, und oft der Teil, der zuletzt geschrieben wird, in Eile, mit Wörtern, die auf jeden passen. Ich leite careerify, und das Kurzprofil ist eine der wenigen Stellen im Lebenslauf, an denen wir für jede Stellenanzeige neuen Text schreiben. Das hat mich gezwungen, genau zu sein: was ein gutes Kurzprofil enthält, und wo Anpassen aufhört und Erfinden anfängt. Hier ist beides, mit zwei Beispielen.
Was ein Kurzprofil im Lebenslauf ist, und was nicht
Ein Kurzprofil beantwortet eine Frage, bevor die Leserin bei deiner Berufserfahrung ankommt: Was für eine Fachkraft ist das, und warum bewirbt sich diese Person genau hier? Es ist kein Anschreiben, das erklärt, warum genau dieser Arbeitgeber und diese Stelle. Es ist kein Karriereziel darüber, was du dir von der Stelle erhoffst. Und es ist keine Liste von Adjektiven. Es ist das, wofür dein Lebenslauf argumentiert, verdichtet auf wenige Sätze in deinen eigenen Worten.
Ob Kurzprofil, Profil oder Zusammenfassung, die Aufgabe ist dieselbe. Wer nach dem Kurzprofil aufhört zu lesen, sollte trotzdem wissen, wo du hingehörst.
Wie lang sollte ein Kurzprofil sein?
Drei bis vier Sätze. Das reicht, um zu sagen, wer du bist, ein oder zwei Belege zu nennen und zu sagen, was du suchst. Wird es länger, wiederholt es deine Berufserfahrung oder wird zu einem zweiten Anschreiben, und wer eine Zusammenfassung wollte, bekommt einen Textblock.
Braucht dein Kurzprofil einen fünften Satz, versucht es meistens, zwei verschiedene Dinge zu sagen. Nimm das, was diese Stelle braucht.
So baust du das Kurzprofil auf: drei Sätze, drei Aufgaben
Jeder Satz hat eine Aufgabe. Schreib sie in dieser Reihenfolge:
- Wer du beruflich bist: deine Rolle oder dein Fachgebiet, deine Ebene und das Umfeld, in dem du arbeitest. Dein Beruf, nicht deine Persönlichkeit.
- Was du am besten kannst, mit Beleg: eine konkrete Sache aus deinem eigenen Lebenslauf, die jemand nachprüfen könnte. Eine Verantwortung, ein Ergebnis, ein Umfang.
- Was du suchst: welche Art von Rolle oder Aufgabe du als Nächstes willst. Eine Zeile über die Arbeit, nicht darüber, was der Arbeitgeber dir bieten kann.
Ein vierter Satz ist optional: ein weiterer Beleg oder eine Fähigkeit, auf die die Stelle klar angewiesen ist, wenn dein Lebenslauf sie stützt. Alles im Kurzprofil sollte etwas sein, das der Lebenslauf weiter unten zeigt. Das Kurzprofil fasst die Belege zusammen, es ersetzt sie nicht.
Zwei Beispiele für ein Kurzprofil, vorher und nachher
Beide Personen sind erfunden, ihre Details auch. Worauf es ankommt, ist die Form. Das erste Beispiel ist eine Teamleiterin im Kundenservice, die mit der Art Kurzprofil beginnt, die die meisten von uns irgendwann geschrieben haben.
Vorher: Wörter, die auf alle passen
Engagierte und ergebnisorientierte Teamplayerin mit ausgeprägter Kommunikationsstärke. Flexibel, lösungsorientiert und bereit für neue Herausforderungen in einem dynamischen Unternehmen.
Nachher: wer, Beleg, Richtung
Teamleiterin im Kundenservice mit sechs Jahren Erfahrung bei einer regionalen Einzelhandelskette, davon drei Jahre mit Verantwortung für ein Team von zwölf Personen. Ich habe eine gemeinsame Wissensdatenbank eingeführt und 14 neue Kolleginnen und Kollegen darin eingearbeitet. Jetzt suche ich eine Rolle, in der ich das Kundenerlebnis über Telefon, Chat und E-Mail verantworte.
Die erste Version könnte jeden beschreiben. Die zweite lässt sich am Lebenslauf überprüfen, und sie sagt der Leserin, wo diese Person hingehört.
Im zweiten Beispiel geht es ums Anpassen. Eine Einkäuferin aus der Industrie hat ein allgemeines Kurzprofil und bewirbt sich auf eine Stelle, deren Anzeige immer wieder auf Lieferantenentwicklung und Nachhaltigkeitsanforderungen zurückkommt. Ihr Lebenslauf hat Punkte zur Nachverfolgung der Lieferungen von rund vierzig Lieferanten und zur Lieferantenentwicklung mit den fünf größten. Zu Nachhaltigkeitsanforderungen steht dort nichts.
Allgemeines Kurzprofil
Einkäuferin mit acht Jahren Erfahrung in der produzierenden Industrie. Ich verhandle Verträge, verfolge Lieferungen nach und arbeite eng mit der Produktion zusammen. Jetzt suche ich eine breitere Rolle im Einkauf.
Auf die Anzeige angepasst, dieselben Fakten
Einkäuferin mit acht Jahren Erfahrung in der produzierenden Industrie, Schwerpunkt Lieferantenentwicklung. Ich habe die Nachverfolgung der Lieferungen von rund vierzig Lieferanten aufgebaut und die Verbesserungsarbeit mit den fünf größten geleitet. Jetzt suche ich eine Rolle, in der Lieferantenentwicklung der Kern der Aufgabe ist.
Lieferantenentwicklung durfte ins Kurzprofil, weil ihr eigener Lebenslauf das schon sagt. Nachhaltigkeitsanforderungen blieben draußen, weil nichts in ihrem Lebenslauf sie trägt. Hat sie diese Arbeit gemacht, gehört sie zuerst in den Lebenslauf, mit Fakten, und erst danach ins Kurzprofil.
So passt du das Kurzprofil an die Stellenanzeige an, ohne etwas zu erfinden
Das Kurzprofil ist die Änderung, die pro Bewerbung am meisten bewirkt, weil es neuer Text ganz oben auf der Seite ist. Dort ist aber auch die Versuchung am größten, das zu schreiben, was die Anzeige hören will. Meine Regel: Die Wörter der Anzeige kommen nur dort ins Kurzprofil, wo dein eigenes Material sie schon trägt.
- Lies die Anzeige und markiere die zwei oder drei Wörter, die den Kern der Rolle beschreiben, also die, die sich wiederholen oder ganz vorne stehen.
- Such jedes Wort in deinem eigenen Lebenslauf. Steht es dort, in einem Punkt, einem Titel oder einem Ergebnis? Oder ist es eindeutig das, was du getan hast, nur mit anderen Worten?
- Wenn ja, nimm das Wort der Anzeige ins Kurzprofil, neben den Beleg. Wenn nein, lass es weg. Schreib es nicht hinein in der Hoffnung, dass niemand fragt.
- Ändere den Einstieg und den Beleg, nicht die Fakten. Titel, Daten, Zahlen und Arbeitgeber stehen genau so da wie im Lebenslauf.
Dieselbe Logik gilt für den Rest des Lebenslaufs, wo Anpassen Umstellen heißt und nicht Neuschreiben. Mehr dazu im Beitrag wie du deinen Lebenslauf an jede Stelle anpasst.
Typische Fehler im Kurzprofil
- Leere Schlagwörter. Ergebnisorientiert, flexibel, lösungsorientiert, belastbar. Sie belegen die wertvollsten Zeilen der Seite und beweisen nichts. Ersetze jedes davon durch die Sache, die du getan hast und die dich überhaupt erst darauf gebracht hat.
- "Engagierte Teamplayerin". Fast jeder Lebenslauf behauptet das, also sagt es nichts. Ist Zusammenarbeit für die Rolle wichtig, zeig sie: mit wem du gearbeitet hast und was dabei herauskam.
- Das alte Karriereziel. "Suche eine herausfordernde Position in einem innovativen Unternehmen, in dem ich mich weiterentwickeln kann" handelt davon, was du bekommen willst. Ersetze es durch eine Zeile über die Arbeit, die du machen willst.
- Zu lang. Eine halbe Seite Kurzprofil ist ein zweites Anschreiben, und die Leserin überspringt es, um zu deiner Erfahrung zu kommen. Drei bis vier Sätze.
- Die falsche Stimme. Im deutschen Lebenslauf sind beide Formen üblich, der Telegrammstil ohne Pronomen und die Ich-Form. Beginne nur nicht jeden Satz mit "Ich". Schreib nie in der dritten Person mit Namen über dich, etwa "Frau Weber ist eine erfahrene Projektleiterin". Das liest sich wie eine Pressemitteilung.
Was ein ATS mit deinem Kurzprofil macht
Ehrlich gesagt: Wo ein Bewerbermanagementsystem oder ein Lebenslauf-Check Schlüsselwörter zählt, werden sie wörtlich gezählt. "Stakeholder-Management" in der Anzeige und "Zusammenarbeit mit Abteilungsleitungen im ganzen Unternehmen" in deinem Lebenslauf bedeuten für einen Menschen dasselbe und für eine Wortzählung fast nichts. Manche Systeme erkennen Beugungen und Synonyme, andere nicht, und von außen siehst du nicht, welches ein Arbeitgeber nutzt.
Deshalb ist das Kurzprofil ein sinnvoller Ort für den Kernbegriff der Anzeige in genau ihrer Form, denn es ist der einzige Teil des Lebenslaufs, in dem du neue Sätze schreibst, statt deine Punkte zu ändern. Aber nur, wenn deine Erfahrung den Begriff trägt. Ein Schlüsselwort ohne etwas dahinter hebt vielleicht eine Zählung, und dann trifft es auf eine Recruiterin, die den Rest der Seite liest.
Wenn du wissen willst, was ein Parser mit dem Rest deiner Datei macht, lies wie ein ATS deinen Lebenslauf liest.
So schreibt careerify dein Kurzprofil
careerify schreibt das Kurzprofil für jede Stellenanzeige neu, auf die du deinen Lebenslauf zuschneidest, aber nur, wenn dein Master-Lebenslauf ein Profil hat. Ein Lebenslauf ohne Profil bekommt kein erfundenes.
Ist das neue Kurzprofil geschrieben, prüft das System es Satz für Satz gegen deinen eigenen Lebenslauf und die Fakten, die du freigegeben hast. Eine Zahl muss in diesem Material vorkommen. Ein Schlüsselwort aus der Anzeige muss dort schon stehen. Ein Satz, der die Prüfung nicht besteht, wird gestrichen. Bleibt mindestens die Hälfte der Sätze stehen, werden sie verwendet. Sonst bleibt dein eigenes Profil aus dem Master-Lebenslauf stehen.
Die Prüfung sieht Zahlen und die Schlüsselwörter der Anzeige. Eine Behauptung ohne beides kommt durch, also lies dein Kurzprofil, bevor du es abschickst. Ganz oben auf der Seite steht dein Name.
Das Kurzprofil in einem Satz
Wenn du einen Satz mitnimmst, dann diesen:
Ein Kurzprofil im Lebenslauf sind drei bis vier Sätze darüber, wer du beruflich bist, was du am besten kannst, belegt aus deinem eigenen Lebenslauf, und was du suchst, und du passt es an jede Anzeige an, indem du deren Wörter nur dort verwendest, wo deine Erfahrung sie schon trägt.
Häufige Fragen zum Kurzprofil
Wie lang sollte ein Kurzprofil im Lebenslauf sein?
Drei bis vier Sätze, ein paar Zeilen ganz oben auf der Seite. Das reicht, um zu sagen, wer du bist, ein oder zwei Belege zu nennen und zu sagen, was du suchst. Wird es länger, wiederholt es deine Erfahrung oder wird zum Anschreiben.
Schreibt man das Kurzprofil in der Ich-Form?
Im deutschen Lebenslauf sind der Telegrammstil ohne Pronomen und die Ich-Form beide üblich, etwa "Teamleiterin im Kundenservice mit sechs Jahren Erfahrung". Beginne nur nicht jeden Satz mit "Ich", und schreib nie in der dritten Person mit Namen über dich. Bewirbst du dich auf Englisch, lässt du das Pronomen in der Regel ganz weg.
Sollte ich das Kurzprofil für jede Stelle ändern?
Ja, es ist der Teil des Lebenslaufs, bei dem sich eine Änderung am meisten lohnt. Ändere, welcher Beleg vorne steht und welche Wörter der Anzeige du verwendest, aber nur Wörter, die dein eigener Lebenslauf schon trägt. Titel, Daten, Zahlen und Arbeitgeber bleiben in jeder Version gleich.
Was ist der Unterschied zwischen Kurzprofil und Anschreiben?
Das Kurzprofil sind drei bis vier Sätze im Lebenslauf selbst darüber, wer du bist und was du mitbringst. Das Anschreiben ist ein eigener, längerer Text darüber, warum genau dieser Arbeitgeber und diese Stelle. Das Kurzprofil muss für alle verständlich sein, die den Lebenslauf lesen, das Anschreiben nur für den einen Arbeitgeber.
Weiterlesen
- Eine Anschreiben-Vorlage, die Recruiter wirklich lesen
- Warum alle Lebensläufe gleich aussehen, und was du mit deinem machst
- Der Leitfaden für ehrliche Positionierung
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